Remscheid ist Vorbild für Berliner Justiz

21.11.2017

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Remscheid ist Vorbild für Berliner Justiz
NRW-Justizminister Peter Biesenbach (r.) nennt Inga Saltenbrock „einen Glücksfall für Remscheid“. Die Staatsanwältin wird künftig zwei bis drei Tage in der Woche in Remscheid ermitteln. Amtsgerichtsdirektor Paul-Dieter Dudda überreichte ihr den Schlüssel zum neuen Büro. Quelle: REMSCHEIDER GENERALANZEIGER © Doro Siewert
Quelle: REMSCHEIDER GENERALANZEIGER (https://www.rga.de) | 21.11.2017 | von Axel Richter

NRW-Justizminister Peter Biesenbach führt Inga Saltenbrock als neue „Staatsanwältin vor Ort“ in ihr Amt ein.

Der Berliner Stadtteil Neukölln gilt als Hotspot der Jugendkriminalität in Deutschland. In Remscheid gibt es dagegen laut Polizei keinen einzigen jugendlichen Intensivtäter. Folge: Die Strafverfolger in der Hauptstadt haben sich Remscheid zum Vorbild genommen. Wie am Remscheider Amtsgericht gibt es jetzt auch in Berlin-Neukölln den „Staatsanwalt vor Ort“.

In Remscheid ist es künftig eine Staatsanwältin, die jugendliche Ersttäter auf kurzen Wegen möglichst schnell vor Gericht bringt. Inga Saltenbrock heißt sie, ist 43 Jahre alt und die Tochter des langjährigen Amtsgerichtsdirektors Rolf Söhnchen. Ein bis zwei Tage wird sie fest in Remscheid ermitteln. „Einen Glücksfall für Remscheid“ nannte sie am Montag NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU).

Der gebürtige Hückeswagener führte die Volljuristin, die mit Familie in Remscheid lebt, in ihr neues Amt ein und sah sich dabei zugleich in missionarischem Auftrag unterwegs. Denn geht es nach Biesenbach, ist die Staatsanwaltschaft in Berlin-Neukölln nicht die letzte, die auf das Pilotprojekt im Bergischen aufspringt und die Staatsanwältin vor Ort geht als „Remscheider Modell“ in die bundesdeutsche Justizgeschichte ein.

Dass er bei den Anklagebehörden im Land damit nicht unbedingt gern gesehen ist, weiß der Minister. Schon seine Amtsvorgängerin, die Remscheiderin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU), hatte gegen Widerstände zu kämpfen, als sie vor elf Jahren den Staatsanwalt von Wuppertal nach Remscheid holte. Die Behörde sah den Mitarbeiter ihrer Kontrolle entzogen.

Doch die Anwesenheit von Staatsanwalt Bernd Hogrebe zahlte sich aus. Im so genannten vereinfachte Jugendverfahren sorgten der Staatsaanwalt und das Amtsgericht dafür, dass zwischen der Straftat, die ein Jugendlicher begangen hatte, und deren Ahndung vor Gericht nicht mehrere Monate oder gar Jahre vergehen, sondern im Idealfall nicht einmal 24 Stunden. Und noch etwas galt in Remscheid: Wer schlägt, der brummt. Das zeigte Wirkung: Die Jugendkriminalität ist seit Jahren auf dem Rückzug. Dennoch musste der Staatsanwalt vor Ort immer wieder verteidigt werden.

Der Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) tat das bei seinem Justizminister Thomas Kutschaty. Und Jens Nettekoven (CDU) holte Peter Biesenbach vor der jüngsten NRW-Wahl persönlich nach Remscheid, um den Ministerkandidaten vom Remscheider Modell zu überzeugen.

Mit Erfolg: Biesenbach sieht das vereinfachte Verfahren nicht nur auf Jugendliche beschränkt. Zeigen doch alle Erfahrungen: Es kommt dabei deutlich mehr Geständnisse heraus, seltener wird ein Rechtsmittel eingelegt, weniger werden rückfällig.

Das überzeugt heute auch die Vorgesetzten. „Ich kann mir nichts Besseres vorstellen“, hielt Michael Schwarz, Leiter der Wuppertaler Staatsanwaltschaft, fest und berichtete von jugendlichen Dieben, „die es nicht gewohnt waren, dass man in Deutschland für Diebstahl ins Gefängnis kommt“. In Remscheid lernten sie mit Inga Saltenbrock, die bereits die vergangenen fünf Monate aus Wuppertal für Remscheid tätig war, die deutsche Justiz neu kennen. Daran will sie nun vor Ort weiter arbeiten und „den Ruf, dass wir in Remscheid Hardliner sind, auf jeden Fall bewahren“.

Quelle: REMSCHEIDER GENERALANZEIGER (https://www.rga.de)

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